Die Bluttat von Boll

Die Bluttat von Boll

Namensherkunft der Franzosenschlucht

Die Franzosenschlucht befindet sich an der A8 am Albaufstieg zwischen Aichelberg und Gruibingen.

 

Der Name (Franzosenschlucht) entstammt der so genannten “Boller Bluttat”. So benannt von der juristischen Fakultät Tübingen, die einen Untersuchungsbericht zu der tat am 15.06.1709 anfertigte.

Vierzig Jahre nach dem 30-jährigen-Krieg: König Ludwig von Frankreich wollte seine Vormachtstellung in Europa sichern. Er schickte französische Truppen über den Rhein. Diese zogen 1689 von Esslingen über Göppingen nach Geislingen. Es wurde gebrandschatzt und geplündert.

Anfang 1700 überquerte der französische Marschall Villars den Rhein und besetzte, ohne viel Widerstand das Herzogtum Württemberg. Bei dieser Armee gab es viele Marodeure (Fahnenflüchtlinge) und Schnapphähne (Strauchdiebe, Wegelagerer), die vor und neben der Armee herzogen und den Leuten in den Dörfern “grausam geängstigt und ausgeplündert und anderen Mutwillen zugefügt haben”.

Am 15.06.1707 geriet Boll in große Aufregung, weil drei französische Soldaten frühmorgens ins Dorf kamen. Sie aßen und tranken, zahlten aber nicht und verlangten vom Schultheiß (Bürgermeister) einen Führer. Die Boller Bevölkerung war zusammengelaufen und hatte befürchtet, daß weitere Soldaten folgen würden. Zur großen Erleichterung zogen die Soldaten weiter. In Dürnau im Wirtshaus erzählten die drei, dass sie desertiert seien und über die Schweiz zurück zu ihren Familien nach Frankreich wollten. Gegen 2 Uhr waren sie wieder in Boll und boten ihre Flinten unter anderem zum Verkauf an, es wollte aber niemand kaufen. Gegen 3 Uhr zogen sie weiter in Richtung Weilheim. Die Boller fürchteten nun die Franzosen wollten auf ihrem weg Pferde oder anderes Vieh rauben. Daher folgten ihnen zwei verheiratete junge Männer namens Hans Georg Gölz und Hans Sayler. Unterwegs trafen sie noch  desertierte württembergische Soldaten. Die  sahen die Franzosen unter einer Eiche sitzen und beschlossen ihnen die Flinten abzunehmen. Das taten sie auch, aber die Franzosen nahmen ihre Säbel und gingen auf sie los. Nun schlugen Gerog Gölz, Hans Sayler und die desertierte Soldaten so lange zu, bis die Franzosen blutige Köpfe hatten und Ruhe gaben. Auf dem Rückweg nach Boll merkten sie, dass die Franzosen ihnen nach schlichen. Sie verabredeten die Soldaten über die Gruibinger Berge nach Neidlingen zu führen, damit dem Flecken (Ort) Boll und ihnen kein Unheil geschehen solle.

Die Franzosen gingen auch eine Stunde weit mit, bis sie im Bereich der “Mähder” nicht mehr wollten. Dort kam es zum Streit, bei dem beide Parteien solange mit den Flinten geschossen, mit Steinen und Prügeln geworfen haben, bis die Franzosen tot waren.

Die Urteile der juristischen Fakultät Tübingen fielen vergleichsweise milde aus. Danach ist sowohl die Franzosenschlucht, wie auch (viel) später die Franzosenbrücke benannt.

 

Quelle:  Boller Heimatbuch S. 123 ff

 

 

Posted on: 16. Januar 2018Andi

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