Sagen

Der Hexensprung über das Lenninger Tal

Ein Bote sollte innerhalb von acht Tagen nach Prag reiten und wieder zurück, so befahl es der Graf zu Wirtemberg (heute Württemberg), der auf seiner Burg Hohenurach saß. Kein Reiter konnte dies schaffen, da meldete sich ein altes Weiblein. Sie stellte eine Zaubersalbe her, strich damit ein Kalb ein und setzte ihren Mann darauf, dem sie einschärfte, ja kein Wort zu sagen. Als der Mann mit dem Kalb auf dem Rückweg zum Lenninge Tal kamen,  machte das Kalb einen gewaltigen Sprung über das Tal. Der Mann konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen  und das Unvermeidliche geschah. Die unheimliche Witwe lebte dagegen in Weilheim/Teck und führte für die Nachbarn ein äußerst suspektes Leben. Die Totengräber öffneten den Sargdeckel und bereuten es sehr, denn fortan hat es ihnen die Sprache verschlagen.

Die drei Brüder vom Wielandstein

Mündliche Erzählungen aus Lenningen

Die Sybille von der Teck hatte drei Söhne, die ihr eigenes Schloss bauten, Schloss Wielandstein. Der Frieden hielt nicht lange und die Brüder zankten und streiteten sich. Mit der Zeit war die Feindschaft so groß, dass sie das Wasser nicht mehr aus einer Quelle tranken. Der eine holte sein Wasser an der Torfgrube, der andere vom Rinnbuckel und der letzte von der Lauter. Einer der Brüder hatte eine Magd die für ihn das Wasser holen mußte. Als Begleitung bekam die Magd immer einen Wolf mit. Mit der Zeit bauten sich zwei Brüder weiter Schlösser, der eine auf dem Teckberg und der andere der schlimmste von allen die Diepoldsburg. Der schlimmst von dreien raubte und plünderte was er nur konnte, selbst seine Mutter und seine Brüder raubte er aus. Deshalb hatte er den Namen Rauber, bis heute hat die Diepoldsburg den Namen- Ruine Rauber. Noch heute sagt man im Lenninger Tal wenn sich Brüder streiten, “die sind wie die drei vom Schlössle”.

Zwei Brüder hätten rechts und links vom Wielandstein zwei Schlösser gebaut, von denen noch Spuren sein sollen. An dem einen, das mit seinen steilen Felsen wie ein Turm ins Tobeltal ragt, will das Volk noch eine in Stein gehauene Kegelbahn erkennen. Bei dem auf der anderen Seite gelegenen sieht man einen Gartenplatz, in welchem vor einigen Jahrzehnten noch drei uralte Birnbäume gestanden haben sollen. So erzählt man in Oberlenningen.

 

Mündliche Erzählungen aus Owen/Teck (Owen=Auwen)

Die zwei Nebenschlösser  bei Wielandstein seien nur Burgställe des Hauptschlosses Wielandstein . Zwei Brüder hätten sich vielmehr auf dem Rauber bzw. Diepoldstein und auf der Teck ihre Burgen gebaut.

 

Mündliche Erzählungen aus Beuren

In Beuren erzählt man sich, dass die Brüder vom Wielandstein die Schlösser Teck, Neuffen und Urach bewohnt haben und  durch ein Sprachrohr miteinander reden konnten.

 

 

Die drei Brüder vom Wielandstein

von Gustav Schwab ca. 1823

Auf Wielandstein im luft’tgen Saal
an einem Tisch, beim gleichen Mahl
Da sitzen jung fein,
Aus Einem Becher trinken sie,
Und lächeln stets und zürnen nie,
Drei holde Knaben klein.

Der Wind stoßt an das hohe Haus,
Der Regen strömet mit Gebraus,
Kein Menschentritt erschallt;
Doch freundlich ist es Tag und Nacht,
Im hohen Schloß, wo Liebe lacht,
Wo Kinderunschuld wallt.

Im tiefen Dorf der Bauersmann
Hält seine wilden Knaben an,
Und auf das Schloß er zeigt:
„Ei, wollt ihr nicht so fromm und fein,
Wie droben die drei Brüder sein?”
Alsbald sein Haufe schweigt.

Es sind der Schlösser worden drei,
Sie schauen von dem Berge frei,
Von Steinen fest gebaut.
Doch innen ist es nicht mehr schön:
Man sah die Treue ferne gehn,
Es wich die Liebe traut.

Ein Bruder wohnt in jedem Haus,
Er lädt den andern nicht zum Schmaus,
Er grüßet nicht sein Schloß:
Steigt Jeder in ein andres Thal,
Sucht Jeder andern Sonnenstrahl,
Tränkt anderswo sein Roß

Und Nachts bis um den Hahnenschrei
Verlarvte Männer fechten drei
Am Kreuzweg in dem Wald;
Der Bauer ruft den Kindern klein:
„Ei wollt ihr fromm und friedlich sein?
Horcht, horcht, wie Unfried schallt!”

 

 

Schwab, Gustav: Die Schwäbische Alb : mit besonderer Berücksichtigung der Neckarseite ; Wegweiser und Reisebeschreibung ; [neue Ausgabe] / von Gustav Schwab. Mit Zusätzen von E. Paulus. — 2. Aufl. Stuttgart : Bonz, 1878. — 347 S.

 

Die Sage vom Goldloch

Ein alter Schäfer, der auf der Uracher Alb seine Herde hütete, entdeckte eines Tages eine schmale Öffnung im Fels. Neugierig zwängte er sich hindurch und gelangte bald in eine große unterirdische Halle. Hier war es ganz finster und still, nur in weiter Ferne hörte er Wasser rauschen. Er nahm sich vor, am nächsten Tag die Höhle gründlicher zu erforschen, und kehrte zu seinen Schafen zurück.
Mit einem Licht untersuchte er am anderen Morgen die Höhlenwände und entdeckte auch wirklich einen Spalt, durch den er den Weg in eine weitere, größere Halle fand. Ihren Boden bedeckte ein klarer See, in dessen Wasser sich riesengroße Vögel spiegelten. Sie saßen reglos ringsum an den Wänden. Ihre funkelnden Augen starrten ihn an, und ihm schien, als wollten ihre spitzen Schnäbel gleich auf ihn loshacken. Vor Schreck entglitt ihm die Laterne, und das Licht erlosch.
Als sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah er einen fernen Lichtschimmer, der ihm den Weg zum Höhleneingang wies. Vor Angst zitternd, kroch er darauf zu, und als er endlich wieder ans Tageslicht kam, nahm er sich vor, nie mehr die Höhle zu betreten.
Lange erzählte er niemand von diesem Erlebnis. Aber als er einmal mit dem Mahlknecht von Seeburg zechte und der Wein ihm zu Kopfe stieg, entschlüpfte ihm sein Geheimnis. Aufmerksam hörte der Knecht zu und nahm sich vor, der Sache nachzugehen. Anderntags schon kroch er in den Berg hinein, fand auch bald die Halle mit dem See, und weil er ein mutiger Bursche war, kümmerten ihn die schrecklichen Vögel nicht, die überall reglos an den Wänden hockten.
Er suchte weiter und fand wirklich einen schmalen Gang, der abwärts führte. Eine Stunde mochte er unterwegs gewesen sein, und er wollte schon wieder umkehren, da fingen die Wände vor ihm an zu leuchten und zu glänzen, Sie waren aus reinem Gold, und golden schimmerten auch die Zapfen an der Decke der Höhle. Lange stand der Knecht da und staunte. Aber die Kerze in seiner Laterne brannte immer weiter herunter, und er musste zurück. Zuvor jedoch brach er einen Goldzapfen ab und steckte ihn in die Tasche. Als er sich auf den Weg machte, hörte er plötzlich ein vertrautes Geräusch: das Klappern der Mühle von Schlattstall, wo er auch schon gearbeitet hatte. Also musste die Höhle einen zweiten Ausgang haben! Er suchte und suchte, aber vergebens. Schnell begab er sich auf den vertrauten Weg und gelangte auch glücklich ins Freie, ehe das Kerzenstümpfchen in seiner Laterne ganz erlosch.
Nun besah er sich den Zapfen, den er mitgenommen hatte. Kein Zweifel, es war reines Gold! Er brachte ihn zu einem Goldschmied und bekam dafür so viel Geld, dass er sich in der Fremde selbst eine Mühle kaufen konnte.
Ehe er wegzog, vertraute er sein Geheimnis einem anderen Mahlknecht an. Der gedachte auch sein Glück zu machen. Als er jedoch die fürchterlichen Vögel erblickte, erschrak er so sehr, dass er ohnmächtig zu Boden stürzte. Er kam wohl wieder nach Hause, doch von da an war er müde und krank, und bald darauf starb er. Sein Geheimnis aber nahm er mit ins Grab.
Viele Leute glaubten der Sage. 1824/25 erweiterten Goldgräber die Öffnung der vorderen Lauterquelle bei Schlattstall, um in den Berg dringen und den Schatz finden zu können. Doch sosehr sie sich auch mühten, ihre Arbeit blieb ohne Erfolg.

Der langnasige Riese vom Teckwald

In den Wäldern unterhalb der Burg Teck wohnte einst ein Riese. Er hatte eine riesige Nase in seinem breiten Gesicht, mit der er alles neugierig beroch. Deshalb nannte man ihn Schnüffelnase.

 Oft ging er in das kleine Städtchen Owen und besuchte Hansjörg, den Schlossermeister, dem er bei der Arbeit gerne helfen wollte. Die Werkstatt war für den Riesen jedoch viel zu niedrig und so steckte er seinen struppigen Schädel einfach nur zum Fenster hinein. Anstatt jedoch zu helfen, stürzte der grobe, unbeholfene Riese alles in eine heillose Unordnung. Voller Zorn dachte sich deshalb der Schlossermeister einen Streich aus.

Er drehte seinen Schraubstock ganz weit auf und stellte ihn unter das offene Fenster.

 Als am nächsten Tag im Fensterloch sein ungebetener Besucher mit der langen Nase erschien, packte der Schlossermeister Hansjörg mit den Zangen seines Schraubstocks zu. Die Nase des Riesen war arg zerschunden und der Schlossermeister hatte nach dieser Lektion endlich Ruhe vor dem rauhen Unhold.

 Eines Tages nun sollte Hansjörg ein Türschloss auf der Teckburg richten. In Gedanken versunken war er auf dem Weg zur Burg. Da erschien Riese Schnüffelnase mit einem riesigen Knüppel in der Hand. Zu Tode erschrocken stellte sich der Schlosser geistesgegenwärtig auf den Kopf und spreizte die Beine wie eine Zange auf und zu. Da erinnerte sich der Riese an seine geschwollene Nase und rief kleinlaut und immer noch näselnd: “Da bist du ja schon wieder mit deinem verfluchten Schraubstock. Lass mich endlich zufrieden damit!”

Nachdem er dies gesprochen hatte, sprang er in den dichten Teckwald zurück und hatte sich nie wieder sehen lassen.

Die Sage von Verena Beutlin

Auf dem Teckberg, beim Gelben Felsen, befindet sich eine Höhle.

Verena Beutlin soll dort einst mit ihren beiden Knaben in tiefster Armut gelebt haben, ausgestoßen von allen Menschen.

Der Vater der Kinder war ein verheirateter Mann aus Beuren, dem es nur heimlich vergönnt war, Fürsorge zu zeigen. Ein rotes Tuch am Geäst und ein Feuer, dessen Rauchwolke dann den Berg umgab, signalisierten ihm, wenn Not war und die Vorräte ein Ende genommen hatten. In tiefer Nacht versorgte er dann unbemerkt die Seinen.

Als nun einmal ein harter Winter jegliches Durchkommen unmöglich machte, blieben auch die Notzeichen unbeantwortet.

Verena, dem Hungertod nahe, schickte ihre Söhne hinunter in das kleine Städtchen Owen, um etwas Brot zu erbetteln. Die Bewohner ließen sich leicht erweichen und gaben den Ausgehungerten zu essen. Jeder fragte die Kinder nach dem Woher und Wohin – da brach das Schweigen der Buben. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde in Owen.

So konnte nur eine Hexe leben!

Man zerrte Verena hinab vom Gelben Felsen in den Kerker der Stadt. Sie beteuerte ihre Unschuld, doch auf dem Scheiterhaufen wurde das Urteil vollstreckt.

Das Schicksal der Söhne und ihres Vaters liegt im Dunkeln. Man sagt dass die beiden Buben in Beuren die Taufe erhalten haben und rechtschaffene Männer geworden sind. Die Höhle aber heißt seither das “Verena-Beutlin-Loch”.

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